Montag, 1.4.2002
Es ist Ostermontag, strahlend blauer Himmel, die Luft ist kühl und
angenehm... Tasche ist gepackt, jetzt nur noch schnell tanken und los geht's
in den sonnigen Süden :-), wenn da nicht schon seit Tagen dieses unbestimmte
Gefühl wäre: Irgendwas geht schief! Aber ich seh wahrscheinlich mal wieder
Gespenster.
Nach einem tränenreichen Abschied (jetzt heul ich schon, wenn ich zu Hause
wegfahre, statt nur beim Abschied von meinen Freunden), auf zur Tankstelle.
Und da erwartet mich dann die böse Überraschung: ein Hinterreifen hat einen
Riss und zu einer langen Fahrt über die Autobahn kann mir der Tankwart damit
nicht raten... da wär ich fast selber drauf gekommen! grummel...
Reservereifen ist nicht, weil das ein Sommerreifen ist und die montierten
sind noch Winterreifen (man kann ja nie wissen...)
Erst mal wieder nach Hause... Ratlosigkeit... Feiertag, keiner wird mir die
Sommerreifen aufziehen, Trixi anrufen, hin und her überlegen...
Quintessenz: die Reise wird um einen Tag verschoben, aber nicht aufgehoben
Dienstag, 2.4. 2002
Um 7:45 h stürme ich die KfZ-Werkstatt... der Chef und Meister ist nicht da,
der Geselle hat bis Mittag noch 4 Aufträge zu erledigen, also eigentlich...
aber welcher Mann lässt sich nicht von einem bittenden Blick und
aufsteigenden Tränen erweichen ? ;-)
Er gibt sich geschlagen und ich soll in einer Stunde wiederkommen. Tu ich
dann auch ganz brav, Auto ist fertig, noch schnell zu Hause reinschauen,
alles paletti, kann endlich losgehen!
Um 10 Uhr bin ich on the road und heute habe ich auch kein Unbehagen mehr,
und als selbst der übliche Stau bei Köln nicht stattfindet, kann die Reise
ja nur gut werden. Tatsächlich komme ich recht gut durch, bis auf die
vermaledeiten Baustellen, aber die muss man wohl hinnehmen wie das Wetter,
das übrigens immer noch wunderschön ist.
16:38 Uhr
angekommen :-) Trixi schliesst mir das Tor zu ihrem kleinen Paradies auf und
die beiden Wachhunde begrüssen mich stürmisch. Ha, diesmal hab ich
vorgesorgt und nicht nur Pferdeleckerli im Gepäck, sondern auch
Hundeleckerli. So gewinnt man (Hunde-)freunde!
Erst den Pferden oder erst Udo "Hallo" sagen? Na gut, Udo, erst du ;-)
Aber dann... die Hühs tummeln sich im Paddock und im Stall, es ist noch
Siesta, aber zum Schmusen sind sie natürlich jederzeit bereit :-)
Für mich ist es ein bisschen ungewohnt so zwischen den vielen Pferden, die
sich ständig hin und herbewegen. So viele auf einmal und neugierig sind sie
alle, und jeder meint, der andere hätt mehr Streichler bekommen als er
selber. Aber schliesslich bekommen sie ja alle reichlich und nach einem
kurzen Aufenthalt im Haus zwecks Kaffeetrinken und Zimmer in Besitz nehmen,
helfe ich beim Heu verteilen. Immer einen Heuhaufen mehr als Pferde da sind,
lässt sich ja leicht merken. Kaspar und Kidlukas füttert Trixi, denn da muss
man trickreich sein, verfressene Bande ;-)
Udo, der Maître de Cuisine, zaubert ein leckeres Abendessen und wir sitzen
noch lange zusammen, schauen auf dem Monitor, ob die Hühs auch brav sind.
Schon nicht schlecht, so'ne Webcam im Stall :-)
Mittwoch, 3.4.2002
Helles Sonnenlicht weckt mich. Raus aus den Federn, Fenster auf und wer
schaut mich da erwartungsvoll an? Kidlukas und Kaspar :-) Mein Fenster hat
Blick auf den Kiddi-Paddock. Was kann es schöneres geben, als gleich am
frühen Morgen die Pferde zu sehen?!
Auf in den Tag... Trixi schafft schon in der Küche, Frühstück für die Kiddis
vorbereiten, selber rasch einen Kaffee trinken und dann ist Crunchie-Time,
aber nur für die Kinder, die Erwachsenen bekommen Heu, davon aber reichlich
:-)
Kidlukas ist ein ungeduldiger Fresser, immer wieder will er den Vorderhuf zu
Hilfe nehmen, während Kaspar äusserst manierlich frisst. Da fällt kein
Krümel daneben, da wird nicht gepoltert... aber ist ja auch Nettchens
Patenkind, die scheint einen sehr positiven Einfluss auf ihn zu haben ;-)
Frühstück für die Zweibeiner und Arbeitsbesprechung, denn ich bin ja nicht
hergekommen, um zu faulenzen, sondern zum "Arbeitseinsatz". Ach, würde doch
jede Arbeit so viel Spass machen, wie diese hier!
Also, gemeinsam wird beschlossen, die Box der Indianer (Haffi Lukas und
Schwarzwälder Fritz) mit einem neuen Boden zu versehen. Jetzt muss nur noch
der Nachbarbauer überzeugt werden, dass er "mal eben" vom Kieswerk Sand
holt. Verspricht er und hält es am nächsten Morgen. Bevor wir jedoch den
Sand nutzen können, muss erst mal die Wintermatratze raus.
Es ist eine schweisstreibende Arbeit, aber wir haben ja fleissige Helfer.
Immer wieder kommen die Fohlen schauen. Kidlukas' grösster Spass ist es,
seinen Vorderhuf prüfend in die Karre zu stellen, "passt noch was rein", vor
allem, wenn er sie dann damit umgekippt hat. Schlaumeier, der! Kaspar ist
auch in dieser Hinsicht sehr viel dezenter... ein Biss in den Karrengriff,
runterdrücken... und wieder passt gaaaaaanz viel in die Karre... Argl!!!
Trixi grinst und als ich wenig später den pappigen Mist mit dem Fuss von der Gabel in die Karre schieben will, ertönt aus der Nachbarbox: " Füsse aus der Karre!" Jaja... :-)
7 Stunden brasseln wir in der Indianerbox, erst sieht man so gar kein
Vorankommen, Karre um Karre schieben wir raus, aber in der Box scheint es
nicht weniger zu werden...
Dennoch ist es irgendwann vollbracht, der
Naturboden liegt frei... da ist es aber auch schon 19:00 Uhr . Die Hühs
moppern schon, "haut mal ab, wir wollen schlafen". So streuen wir nur ein,
die anderen Boxen müssen ja auch noch gemacht werden, (sonst beschwert sich
wieder ein Rasselbandenmitglied über Vernachlässigung!). Abendfutter... für
Tier und Mensch [richtig, in dieser Reihenfolge :-)]
Zudem hat sich Besuch angesagt, Freundinnen von Trixi. Nettchen, die
eigentlich auch kommen wollte, wird durch ein Virus daran gehindert,
Bärbel, die Schmiedin, die ich so gerne kennengelernt hätte, ist wohl auch
verhindert, meldet sich aber auch nicht. Echt schade!
Nichtsdestotrotz wird es ein lustiger Abend und die Schilderungen von
tierischen Besonderheiten (kennt noch jemand eine Schildkröte, die bei Fuss
geht, stubenrein ist und vor der an der Tür per Schild "Vorsicht bissige
Schildkröte" gewarnt werden muss?, oder ein "Dany mit Sahne- Pferd", das
seiner Besitzerin drei mal innerhalb einer halben Stunde ausbüxt und damit
fast einen Kurs mit dem TA gesprengt hätte? ) Tiernarren unter sich!
Wie immer bei solchen Gelegenheiten wird es spät... oder früh ;-), ganz wie
man's sieht.
Dennoch wecken mich am nächsten Morgen, am
Donnerstag 4.4.2002
wieder relativ früh die Sonnenstrahlen und die Freude auf den Blick auf die
Kiddis. Die stehen auch schon wieder parat: "Ey, wo bleibt das Frühstück?"
Kommt sofort! Tass Kaff, Crunchies abmessen, Möhren schnippeln, los
geht's... Heu verteilen, dann Zweibeinerfrühstück... Arbeitsplanung für den
Tag: Boxenweiterbau erst am Nachmittag, am Vormittag Stadtbummel... und das
in Überlingen, an meinem Lieblingssee, dem Bodensee. Krieg ich auch gleich
noch ein bisschen Kultur mit verpasst: Trixi erklärt mir den "Lenk-Brunnen",
geschaffen von Herrn Lenk, der in seinen Werken gern Kommunalpolitiker u.a.
örtliche Grössen auf's Korn nimmt :-) Wenn man's weiss, ist das echt interessant...
Mitbringsel für meine Familie finden wir auch und wir lachen uns fast platt,
als wir ein kleines Reitsportgeschäft entdecken, das auch Neoprenanzüge
verkauft... Der Besitzer muss Fritz, den Leck-Freak, kennen... ;-)
Lebensmitteleinkauf folgt dann auch noch und endlich geht's weiter im
Stall... eigentlich könnte vielleicht eventuellerweise ja auch noch Q's Box
einen neuen Boden vertragen... dann mal ran... Trixis Stallhilfe, die einmal
in der Woche zum Misten kommt, hat schon mit der Arbeit angefangen, ich
mache in Q's Box weiter... nun haben wir ja Übung und wenn auch wieder
nölende Fohlennasen helfen wollen, geht es heute schon besser voran.
Dann kommt Udos Einsatz: Sand anfahren, den Birgitt per Schubkarre in die
Indianerbox kippt und Trixi gleichmässig dort verteilt (soll man nicht
glauben, wie schwierig das mit dem gleichmässig ist... ggg).
Aber auch das
gelingt dann irgendwann, Q's Box wird erst am nächsten Tag damit bestückt,
denn das Auslegen der Matten nimmt schon noch etliche Stunden in Anspruch
und die Indianerbox muss heute fertig werden. Und sie wird!
Selbstzufriedenheit wird zwar meist scheel betrachtet, aber ich muss sagen,
ich kann mich dieses Gefühls nicht erwehren, als ich frisches Stroh auf dem
neuen Boxenboden verteile. Und Fritz und Lukas scheinen durchaus auch
zufrieden zu sein, erst mal wird natürlich getestet und geprüft, wieso sich
das da jetzt so anders anfühlt, aber als dann das Abendessen serviert wird,
finden sie das Ganze schon klasse.
Es ist 22 Uhr, als wir den Hühs endlich Ruhe gönnen. Wir haben die armen
Viecher mit unserer Plackerei schon arg aus ihrem Tageskonzept gebracht und
sie werden auch immer grätiger. Verständlich, aber wohl nicht ganz zu
vermeiden.
Auch am
Freitag, 5.4.2002
müssen wir die Rasselbande nerven mit unserem Umtun, denn der Sand muss ja
nun auch noch in Q's Box... Und da die "Kleinen" mittlerweile schon recht
gross sind, wird auch gleich die Tür verbreitert, ergo muss ein neuer
Trennbalken gerichtet werden und die Stufe zwischen den Boxen ist auch
recht hoch... also Boden angleichen. Das alles geht wirklich nur, wenn wir
die Hühs aussperren, aber wie das so ist, mit provisorisch geschlossenen
Türen, einem Haffi-Kind und seinem besten Freund hält das nicht lange Stand
;-) ,
also Tür wieder auf und einen Balken als Abgrenzung einhängen.
Nebenher wird noch die Diskussion geführt, wieviel Platten in welche
Richtung gelegt werden müssen, damit das Nut-und Federsystem auch sinnvoll
praktiziert werden kann. Der Theoretiker (Udo) berechnet das mit dem
Taschenrechner, die mehr praktisch veranlagten Arbeiterinnen (Trixi und
ich) gehen Wetten
ein, dass es drei in der Länge und vier in der Breite sein müssen und man
vor allen Dingen in der unteren linken Ecke anfangen muss... mit ersterem
behalten wir recht, letzteres erweist sich nach dem Auslegen von 6 Matten
als Irrtum, also alles wieder raus, andersrum anfangen... Mist, die liegen
nicht in der Flucht, verschieben...
in der Mitte ist noch eine satte
Vertiefung in unserem Sandwerk, angleichen... nebenher den Hühs erklären,
dass es gar nicht mehr lange dauern kann, bis wir fertig sind (die sind aber
nicht sehr leichtgläubig und kommen immer wieder schauen...)
Unglaublich aber wahr, nach 4 Stunden liegt auch die letzte Matte, von Udo
feinsäuberlich zugeschnitten, an ihrem Platz, die Stufe zur Kiddibox ist
minimal, der Übergang zu den Indianern ist auch noch "vermattet"... Stroh
drauf, Balken zurückhängen.... wir können es kaum glauben: FERTIG!!!!! die
Boxen... und wir auch :-)))
Sorgfältig prüfen die Hühs unser Werk und befinden es glücklicherweise für
gut.
Zeit, diesen Tag zu feiern, und zwar mit einem Spaghetti-Essen bei Nettchen.
Da sie ja nicht kommen konnte, fahren wir hin...
Es wird ein lustiger Abend, an dem auch Nettchens Freundin Manu mit viel
Gelächter in die
Geheimnisse der Pferdewelt eingeweiht wird. Wieder vergeht die Zeit viel zu
schnell, wie das immer ist, wenn man sich lange nicht gesehen hat und
eigentlich noch soooo viel zu erzählen wäre. Nettchens neue Wohnung ist
zauberhaft geworden, genau so, wie sie sie geplant hatte. Das Beste an der
ganzen Wohnung ist natürlich der Blick auf Waischas Paddock ;-)
Glückliche Menschen, meine Pferdefreunde, die ihre Hühs schon am frühen
Morgen begrüssen können, ohne erst etliche Kilometer fahren zu müssen. Wird
wohl Zeit, dass wir uns auch um ein geeignetes Objekt bemühen ;-)
Tja, dann wieder einmal Abschied nehmen (ha, hast es gemerkt Nettchen? Ich
hab nicht geheult!)... und nach einer Fahrt durch die Nacht kenne ich nur
noch ein Ziel: mein Bett!
Samstag, 6.4.2002
Abschiedstag, aber erst mal soll ich mein Patenkind Lukas noch an die Leine nehmen... Fototermin und Führübungen... ersteres wird ja noch hingenommen,

letzteres wird sabotiert. Die Kiddis sind noch undönig von den letzten Tagen, zudem ist es nicht nur windig, sondern geradezu stürmisch und ausserdem haben sie mehr Rennlust als Arbeitslust. Ein paar kleine Sachen schaff ich noch mit Kidlukas, dann wird er mit Kaspar in die Weidefreiheit entlassen. Juhuuuuu... da geht die Post ab :-) Das ist wahre Lebensfreude!
Tja, und schliesslich muss ich dann von hinnen... alle Sachen sind wieder im Auto verstaut, die Strassenkarte parat, Abschied von Udo, den Hunden, den Hühs per Winken von Weitem und last not least von Trixi... schniiiieeeeeefffffffff...
Die Heimfahrt ist wesentlich anstrengender als die Hinfahrt, Rückreiseverkehr, Idioten, die mit Tempo 90 auf der Mittelspur fahren, obwohl rechts alles frei ist, Stau... echt ätzend...
Mein erster Weg zu Hause führt mich zu Hjerkinn, den ich mit einem total vereiterten Auge antreffe, was meinem von der Fahrt schon arg strapazierten Nervenkostüm noch den Rest gibt... Augentropfen her (am nächsten Tag war es dann schon wesentlich besser, das Auge und mein Nervenkostüm), die Familie freut sich, dass ich wieder da bin, kommt endlich wieder saubere Wäsche in den Schrank (was allerdings eine endgültig defekte Waschmaschine zunächst vereitelt).... sehnsuchtsvoll denke ich an den Blick aus meinem Gastzimmer bei Trixi und ihrer Rasselbande...
Auch wenn Ihr beide, Trixi und Udo, das nicht recht glauben wollt, trotz der Brasselei war es ein echt erholsamer Urlaub für mich. Überlegt euch also, was als nächstes ansteht, bin bestimmt bald wieder urlaubsreif ;-)
Allen andern hat das Lesen des Berichts hoffentlich ein bisschen Spass gemacht. Wem der Bericht zu lang ist, möge sich trösten, denn eigentlich hätte er noch viiiieeel länger sein müssen, hätte ich all die schönen und lustigen kleinen Erlebnisse auch noch erzählt... aber die bewahr ich im Herzen und das schöne Gefühl, nicht Gast gewesen zu sein, sondern Teil der Rasselbande, sowieso :-)
Birgitt