Melanie ist schuld! Eindeutig! Und der Papst auch!
Aber mal von vorne...
"Mama, da ist ein Loli-Treffen in Wien und ich könnte auch da übernachten. Meinst du, das ist teuer, da hin zu kommen?" So fing er an, unser Wochenend-Trip nach Wien.
Mein Kind allein nach Wien, das behagte mir gar nicht. Meine Freundin Reinhild fragen, ob sie dort übernachten könnte und sie ein Auge auf sie haben könnte? Aber die Arme hat auch so genug, die muss nicht auch noch Kinder hüten! Und wenn ich mitflöge?
Die Idee gefiel mir!
Reinhild schrieb, sie würde sich freuen, wenn wir kämen - und dass der Papst fast die gleiche Idee hätte! Er käme auch nach Wien und sogar nach "nebenan" ins Kloster, aber glücklicherweise nicht zu ihr! Und die Flüge wären auch ganz billig - stimmt, wenn Melli zwei Tage aus der Schule bliebe! Das ging mir aber dann doch zu weit und so mussten wir um einiges teurere Flüge nehmen - aber man gönnt sich ja sonst nichts! .
Die Planungsphase ist kurz - und schon ist
Freitag der 7. September
Bis mal die Koffer gepackt sind! Was Melli alles mitnehmen muss zum Loli-Treffen! Der Petticoat "flufft" nicht richtig, der muss bei Reinhild noch mal kopfüber aufgehängt werden, die Overknees rutschen, da müssen Halterüschen mit - die dann auch nicht halten. Die Bluse noch mal aufbügeln (kann das Kind nicht einfach in T-Shirt und Jeans glücklich sein?), aber andererseits, ohne dieses Mode-Treffen würde ich Reinhild und Edith nicht so schnell wiedersehen!
Und endlich, irgendwann ist alles in den beiden Köfferchen verstaut, sogar ohne den Petticoat-Tüll im Reißverschluss einzuklemmen! Meine Reitsachen sind da wesentlich unkomplizierter einzupacken! Ich darf nämlich vielleicht Reinhilds Karima reiten - wenn ich mich traue! Die ist nämlich etwas blütiger als Hjerkinn... aber nur etwas!
Wolfgang bringt uns zum Flughafen, wir haben reichlich Zeit, dann einchecken. Wir halten die anderen auf, weil uns nicht klar war, dass Puder, Lidschatten, Lippenstift und Gloss zu den unerlaubten Flüssigkeiten gehört... aber auch das regelt sich und wir müssen wieder warten.
Dann endlich wird der Flug aufgerufen, Melli ist doch ein bisschen aufgeregt, sie fliegt zum ersten Mal, aber ich beruhige sie. Bisher sind noch alle Flugzeuge wieder runter gekommen!
Naja... war wohl ein bisschen daneben! (grins)
Aber ich behalte Recht, auch unser Flieger landet sicher und sanft in Wien und Reinhild und unsere Freundin Edith holen uns ab. So ein Service!
Schon geht es auf zu Reinhild nach Hause. Wir plaudern noch ein bisschen und dann fallen wir in die Betten. Morgen liegt ein anstrengender Tag vor uns!
Samstag, 8. September
Wir müssen früh raus, denn wir haben noch eine Überraschung für Melli. Erst mal geht's zu Edith, von dort weiter in die Wiener Innenstadt. Wir finden im Museumsquartier einen wunderschönen Parkplatz in der Tiefgarage und gehen zu Fuß zur Hofburg... und natürlich in die Spanische Hofreitschule! Das ist schließlich Pflicht für Pferdenarren wie uns! Morgenarbeit mit Musik... haaaaaaaaaach ... schööööööööön ... und wieder werde ich neidisch auf diesen genialen Sitz der Reiter! Naja, 2 Jahre nur an der Longe, bevor sie Zügel in die Hand bekommen. Da soll man wohl so gut auf dem Pferd sitzen können!
In der letzten Abteilung entdecke ich sogar einen Lippizaner, der irgendwie Hjerkinns Papa Haavard in seiner Ahnentafel haben muss... der hat den gleichen seltsamen Humor! Immer am Hallentor schießt er los ... Na, wenn das schon den Profis passiert, dann brauch ich mich über mein Stoppelpony gar nicht mehr aufzuregen! :)
Diese beiden Stunden in der Spanischen vergehen ungeheuer schnell und bevor wir Melli im Museumsquartier abliefern, schauen wir uns noch ein bisschen an der Hofburg um.
Da steht doch der Herr Mozart, weiß und starr - und für'n Euro bewegt er sich und küsst die Hand, gnä' Frau ... und lässt sich mit den Touris fotografieren.
Melli will natürlich auch, wie soll es anders sein, also zücke ich als brave Mama 2 Euro, die darf sie ihm in die Spardose werfen und schon beginnt er sich zu bewegen. Anscheinend hat er besonderen Spaß an Mellis Outfit, denn er lässt sie gar nicht mehr weg! Singt ihr noch ein Liedchen, pfeift die kleine Nachtmusik und erst nach etlichen Handküssen und Verbeugungen gibt er sie wieder frei.

Melli schwebt...
Und dann wird's Zeit für's Treffen. Aber erst noch den Petticoat an, noch mal Styling-Kontrolle und schon wirft sie sich mitten ins Getümmel an der Boutique "Gegenalltag". Ich kann ihre Freude gut nachvollziehen, ich weiß ja, wie es sich anfühlt, wenn man Menschen, die man bisher nur aus dem I-Net kennt, endlich mal persönlich gegenüber steht!
Edith , Reinhild und ich haben nun also frei und können bummeln. Erst mal ein bisschen sightseeing zu Fuß.

Hier sieht man im Hintergrund ganz gut die ganzen Absperrungen, die Übertragungswagen etc.
Maria Theresia, Pestsäule, Stephansdom... Stephansdom? Überall steht Bundesheer mit Maschinengewehren, Absperrungen, die kleinere Umwege erfordern, im Dom selbst ist nur ein kleiner Teil begehbar - Absperrungen auch hier drinnen, Security, der Papst wird erwartet. Watt'n Aufwand! (Und was das alles kostet!)
Irgendwann haben wir Hunger und entscheiden uns für ein Mittagessen im Chattanooga. Wirklich empfehlenswert! Klein und nett, eng und gemütlich und das Essen ist auch super! Preis-Leistungsverhältnis stimmt!
Danach geht's weiter mit Sightseeing und weil die Beine langsam müde werden, nehmen wir die Straßenbahn einmal rund um den Ring. Links ist das Parlamentsgebäude... die Straßenbahn biegt nach links ab... ups, falsche Richtung. Also, nächste aussteigen, nächste Bahn retour... rechts ist das Parlamentsgebäude. So, und nun in die richtige Straßenbahn... links ist das Parlamentsgebäude ;)
Und nun sind wir auf der richtigen Route unterwegs.
Natürlich weiß ich wieder nicht mehr alle Sehenswürdigkeiten, die Reinhild und Edith mir erklären, aber sicher ist mir die Kirche "Maria am Gestade" in Erinnerung geblieben, der Naschmarkt und die Votivkirche... und das Parlamentsgebäude :). Das alles sehen wir nur im Vorüberfahren und es bedarf dringend eines Wiederholungsbesuches, um so einiges mal näher in Augenschein zu nehmen.
Und dann genehmigen wir uns noch einen Besuch im Kaffeehaus Griensteidl, ein weltberühmtes Künstler-Café mit langer Tradition. An diesen Tischen saßen schon Hugo von Hofmannnsthal und Arthur Schnitzler! Und die Torten... welche nehmen wir denn nur? Die Esterházy Torte lacht mich an, Reinhild auch und Edith nimmt Sacher... hmmmm... Genuss total! (An die Rettungsringe, die sich auf unsere Hüften legen werden, denken wir jetzt mal nicht!).
Ein paar Joules trainieren wir uns bei einem weiteren Rundgang an der Hofburg und durch die Gassen wieder ab. Und weil Melli immer noch nicht abgeholt werden muss und es mal wieder regnet, kehren wir noch in einer kleinen Pizzeria ein - nein, wir essen nicht schon wieder! Nur ein bisschen was trinken und plaudern. Wenn man sich so lang nicht gesehen hat, dann sind die Minuten wertvoll.
Schließlich ruft Melli an, sie sind auch noch irgendwo eingekehrt und in einer halben Stunde wollen wir uns wieder am Museumsquartier treffen.
Auf dem Weg dorthin werfen wir noch einen Blick auf und in das kleinste Haus Wiens. Wo haben die eigentlich damals die Treppe ins Obergeschoss gehabt? Heute ist das Haus per Durchbruch mit dem Nebenhaus verbunden.

Und dann ist der Tag auch schon fast wieder um. Eine selige Melanie sprudelt uns die Ohren voll, wie toll das Treffen war und wen sie alles kennengelernt hat, und eine kleine Japanerin sei auch da gewesen und alle waren nett und sie haben Fotos gemacht und die Leute haben komisch geguckt und... und... und... Durch ihren Bericht wird die Heimfahrt kurzweilig, wir steigen bei Edith wieder in Reinhilds Auto um und fahren gen Heiligenkreuz. Auf dem Weg wollen wir noch auf den Friedhof, Heinz, Reinhilds Mann, besuchen. Das hatte ich mir gewünscht. Aber, auch hier macht uns der Papst einen Strich durch die Rechnung. Die Zufahrt zum Friedhof ist gesperrt, denn morgen am Mittag kommt ja der Heilige Vater ins benachbarte Kloster. Grmpf...
Dafür werden wir zu Hause bei Reinhild von ihren Schnurrern freudig begrüßt


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und selbst die kleine Stella fasst langsam Vertrauen und lässt sich streicheln.
Heute Abend müssen schon die Koffer wieder gepackt werden, denn morgen müssen wir so zeitig weg, dass wir nicht eingesperrt werden - man erinnert sich, der Papst kommt am Mittag ;)
Sonntag, 9. September
Auch, wenn wir nicht trödeln wollen, für ein ausgiebiges Frühstück reicht es noch gut. Edith will uns abholen und die Tagesplanung sieht als erstes einen Besuch und eine Reiteinheit bei Reinhilds Karima vor.
Aber, Edith meldet es per Telefon, sie kann uns nicht abholen, denn auch die Zufahrt zu Reinhild ist mittlerweile gesperrt. Dabei ist es grad mal 9:30 Uhr! Der Papst kommt um 14:00 Uhr! Es wird ein Treffpunkt ausgemacht und Reinhild fährt halt selbst. Es ist wirklich irre... an jeder Kreuzung Militär, Bundespolizei, an den Feldwegen auch... Reinhild stellt trocken fest: "Allein auf dieser Strecke stecken jetzt mindestens 50 Euro meiner Steuern! Ich werde protestieren!"
Und das Wetter meint es auch nicht gut mit uns! Da hätte der Papst mit seinen Connections doch wenigstens für Sonne sorgen können!
Aber, je weiter wir uns entfernen, umso besser wird es, das Wetter. Edith holt Karima noch im Regen von der riesigen Koppel und auf einmal lässt der Regen nach und schließlich hört er ganz auf. Da Karima die letzten 3 Tage nicht gearbeitet hat, wird es heute mal wieder Zeit dafür. Edith reitet sie zuerst und dann darf ich. Huch! Karima ist im Vergleich zu Hjerkinn ein sehr schmales Hemd und bewegt sich natürlich auch vollkommen anders als er. Das ist wirklich sehr gewöhnungsbedürftig! Es braucht einige Runden, bis ich mich eingewöhnt habe, aber mit Ediths Anleitung kommen wir ganz ordentlich hin. Karima hasst Gatsch und so müssen wir ein bisschen Slalom reiten, um den schlimmsten Stellen auf dem Reitplatz auszuweichen. Aber auch das kriegen wir halbwegs hin. Ein bisschen traben traue ich mich auch noch. Karima ist doch um einiges hibbeliger als mein Hjerkinn-Pony und ich bin natürlich auch extrem vorsichtig. Will ja nix versauen, was Reinhild, Edith und die Trainerin grad erst angefangen haben aufzubauen. Nachdem Edith dann noch ein bisschen intensiver mit Karima gearbeitet hat, wird diese, nicht ohne ausreichend mit Leckerlis belohnt zu werden, wieder auf die Wiese entlassen.



Das hat wirklich Spaß gemacht! Reinhild hat da einen sehr netten kleinen Stall gefunden und die Wiesen sind unübertroffen. Natürlich gibt es auch hier, wie in jedem Stall, das eine oder andere, was sie sich anders wünscht, aber, das ist eine altbekannte Tatsache, man kann nicht alles haben!
Heute steht der Tag im Zeichen der Pferde, schließlich habe ich durch sie Reinhild und Edith kennengelernt. So geht's dann weiter zu Ediths Pferden, die im Burgenland stehen. Ambiente und Taro werden grade von Ediths Mann und ihrer Tochter bewegt. Die beiden, also die Pferde, haben zur Zeit einen "gelben Schein", sprich, sie sind nicht ganz fit und haben gemäßigtes Bewegungsprogramm. Hübsch sind sie, vor allem aber so grooooß! Jedenfalls in den Augen eines Ponyreiters! Uff...
Es ist eine schöne Stallanlage, aber auch hier, wie Edith berichtet, gibt es Haken und Ösen. Nur, man kann es nur wiederholen, wo gibt es die nicht?
Schon ist es wieder Zeit für Mittagessen und der gemeinsame Beschluss ist, asiatisch essen zu gehen. Sehr lecker! Sehr reichlich! Melli versucht es mal mit Stäbchen, aber das ist eher was für eine Diät! Immerhin haben wir dadurch genug zu lachen!
Schließlich verabschiedet sich Ediths Familie und wir vier Weibsen fahren alleine weiter gen Osten nach Rust. Auf Burg Forchenstein nehmen wir noch ein bisschen Kultur mit.







Wir bestaunen die Ahnengalerie der Esterházys. Melanie ist zutiefst beeindruckt, wie klein der Graf Dracula war. In der Burg hängt das einzige lebensgroße Portrait von ihm. Mir gefallen die wunderbaren Schränkchen mit den Intarsien und zig kleinen Fächern besonders gut. Das war schon Prunk und Pomp in jener Zeit! Da war Handwerk noch was wert!
Im letzten Raum sind Beutestücke aus einer Schlacht gegen die Türken zu bewundern. Wir regen uns heute über scharfe Gebisse auf? Die sind alle nichts gegen das hier!

Und wenn man bedenkt, dass damals keine Rede von feiner Reiterhand war ... grusel
Weiter nach Osten bis Rust, die Stadt der Störche. Und sie sind wahrlich reichlich vorhanden! Melanie ist ganz begeistert. Das Wetter ist herrlich und am See ist wunderbare Stimmung! Malerische Häuser, ist wirklich wie Urlaub! Wir genießen noch ein Stückchen Ruster Rhodonkuchen

und die Sonne.


Aber irgendwann wird es wirklich Zeit wieder Richtung Flughafen zu starten. Die Zeit war mal wieder zu kurz, dafür aber um so intensiver!
Liebe Reinhild, liebe Edith und liebe Karima!
Habt herzlichen Dank, dass ihr uns dieses WE ermöglicht habt! All die Fahrerei und die vielen Extras wissen wir sehr zu schätzen! Ihr seid natürlich wieder herzlich zu einem Gegenbesuch eingeladen! (Die Equitana Open Air ist nächstes Jahr vom 16. bis 18. Mai - mit dem Zaunpfahl wink)