15. Februar 2004
Sonntagmittag - ein frühlingshafter Tag - die Siedlungsbewohner ruhen, den Sonntagsbraten verdauend, auf den Sofas. Die Chance für Pony und mich einen geruhsamen Ausritt in die Felder zu machen, ungestört von Bällchen jagenden Hunden, Kinderwagen mit schreiendem Inhalt, radelnden Kleinkindern und anderen Rücksicht heischenden Mitmenschen. Einfach mal nur bummeln...
So mache ich mich mit Pony alleine auf ins Gelände. Die ersten 1,5 km sind reichlich bebautes Gelände, sprich, eine Wohnsiedlung, durchzogen von kleinen Nebenstraßen und einer Durchgangsstraße. Ausnahmsweise werden wir dieses Mal nicht vom Linienbus überholt [der ist grad vorbei, als wir an der Hauptstraße ankommen... ;-)], auf dem Bolzplatz scheppern tatsächlich mal keine Rudi-Völler-Nachahmer eine Lederkugel gegen die meterhohen Gitterzäune, die Tennisplätze gleich daneben liegen noch im Winterschlaf... ach, ist das still und friedlich!
Naja, einige Hundeleute sind wohl schon unterwegs, die Radler am Horizont lassen Hjerkinn kurz verharren, aber dann marschiert er gelassen weiter. So gefällt uns das!
Der Ausritt neigt sich seinem Ende zu, wir kehren durch die Siedlung zurück, da ereilt Hjerkinn ein dringendes Bedürfnis, das keinen Aufschub duldet! Ausgerechnet auf Höhe der Fahrertür eines silbermetallic-farbenen Mercedes der ganz gehobenen Klasse! Ich versuche zu retten, was noch zu retten ist und treibe Pony weiter, was die Sache aber eigentlich eher noch schlimmer macht, denn nun haben wir eine Spur hinterlassen, die nicht nur den Fahrer der Luxuskarosse ins Glück treten lässt, sondern so ziemlich jeden, der die Straße überqueren will...
Aber wir Reiter von Gut Bruchhausen sind ja wohlerzogen! So steige ich ab und versuche, Hjerkinns Hinterlassenschaft mit der Fußspitze in den Rinnstein zu kicken. Im Sommer ist das ja auch alles kein Problem, da sind die Äpfel saftig und zeigen guten Zusammenhalt. Nun aber, bei fast ausschließlicher Rauhfutterernährung, zeigen sich ungeahnte Nachteile des Winters... die Äppel zerbröseln und bilden einen faserigen Teppich. Tja, da muss die Wohlerzogenheit leider hintanstehen, in diesem Fall ist ohne technische Hilfsmittel nichts zu retten!
Justament als ich die Schadensbegrenzung aufgeben will, wird die Tür eines der Reihenhäuser aufgerissen. Über das Autodach hinweg sehe ich die Besitzerin des überaus gepflegten Hauses (so weiße Gardinen möcht ich auch mal haben), incl. penibel geharkter Blumenrabatten und einzeln polierten Kieselsteinen. Ihre Ausdrucksweise ist allerdings weniger gepflegt, als sie ihrem Unmut über "die Reiter" Luft macht. Und den Vergleich mit Hundebesitzern, die ihre Hunde überall hinsch****en lassen, finde ich äusserst unpassend, denn mein Pony hat ja nicht auf den Bürgersteig ge*****en! Dennoch muss ich grinsen, was die Dame nun keineswegs friedlicher stimmt. Ich erkläre ihr, dass ich grade versuche, die Sache in Ordung zu bringen, und wenn sie vielleicht einen alten Besen hätte... ich fürchte, den "alten Besen" bekommt sie in den falschen Hals, denn sie knallt mit Nachdruck die Haustür zu und ward nicht mehr gesehen.
"Tja, ihr Pech", denke ich, und weil ich nun keine Lust mehr habe, wieder aufzusteigen, lockere ich Ponys Sattelgurt und schiebe die Steigbügel hoch. Pony ist eh erstaunt, warum wir so lange da stehen bleiben, harrt aber geduldig der Dinge, die da noch kommen könnten.
Und sie kommen... in Gestalt einer weiteren Anwohnerin... Ich behalte mal vorsichtshalber mein freundliches Lächeln im Gesicht (ich hoffe zumindest, dass es noch freundlich wirkt... g), da fragt die Frau mich doch glatt, wie alt das Pony denn ist. Ich gebe artig Antwort und sie erklärt, dass ihre Tochter auch einen Norweger hat, der ist aber schon 21, und man sähe schon, dass meiner viel jünger sei. "Sind klasse Pferde, die Norweger..." und während sie mit Pony flirtet, dem das natürlich sehr gut gefällt, wandert ihr Blick auf die Straße und damit auf die "Bescherung". "Ach du je, hat er da hingemacht?" Hm... diese Frage lässt sich ja wohl kaum mit "nein" beantworten... Ich erkläre ihr den Zusammenhang mit der Fütterung und dem Äppel-Bröselteppich auf dem Asphalt und frage nach einem Besen, den sie vielleicht nicht mehr braucht (ich erwähne sicherheitshalber dieses Mal nicht das Wort "alt" im Zusammenhang mit dem Besen... man kann ja nie wissen ;-)] "Klar, warten'se mal einen Moment!" Spricht's und verschwindet am Ende der Reihenhauszeile, kehrt kurz darauf mit Handfeger und Kehrblech zurück. "Tun'se das ruhig in die Bio-Tonne da vorn, die wird morgen sowieso abgeholt." Na, aber gerne doch! Und als pferderfahrene Mutter einer Norwegerbesitzerin hält sie solang das Pony fest, bis ich die Krümelei so gründlich beseitigt habe, dass auch die Meckerziege nichts mehr zu meckern hätte, wenn sie denn noch mal aus dem Fenster schauen würde [oder bewegte sich da grad eine der schneeweißen Gardinen im 1. Stock? ;-)]
So verabschieden wir uns wohlgelaunt, wünschen noch einen schönen Sonntag, und ziehen leise singend heimwärts. War doch ein echt netter Ausritt! :-))