1.11.2002

Auf Ponys Rücken einen Tag durch's Siebengebirge

So, nun liegt er hinter uns, der große Tag, unsere erste Aktion in einem größeren und offiziellen Rahmen.

Nachdem dann doch noch das Transportproblem gelöst war, trafen wir uns am frühen

Freitagmorgen um 7:00 h am Stall. Wir, das sind Steffi (Melano) , Danny (Aska), Ute (Rhapsodie) und ich von unserm Stall, dazu noch Sabine (Feundin von Danny) und Christoph (Candy), der Reitpartner von Steffi auf verschiedenen Ralleys.

Dannys Aska ist schon zu Sabines Pferd verladen, als ich um kurz vor 7 Uhr eintreffe, die haben's recht eilig, davon zu kommen.

Erst mal füttern, bisschen über's Pony drüberwischen, wirklich dreckig ist er ja sehr selten. Alles, was mitzunehmen ist, habe ich schon am Abend vorher gepackt, einen Proberitt mit Satteltaschen gemacht (Tücke des neuen Sattels: er hat keine Oesen, um die Taschen dran fest zu machen und unsere Schabracke ist zu kurz, die Taschen liegen auf Hjerkinns Flanken direkt auf). Also eine andere Schabracke geliehen... weiß, schneeweiß, um genau zu sein... und noch genauer: noch schneeweiß....

7:30 h Rhapsodie (Utes Pferd und Hjerkinns Traumfrau) lässt sich rasch und problemlos verladen, Hjerkinn ist das um diese Uhrzeit sehr suspekt, aber als er checkt, dass er dann seiner Angehimmelten ohne Nebenbuhler nahe sein kann, steigt auch er ein [naja, vielleicht lag es auch am wohlgefüllten Heunetz ;-)]

Unser Fahrer fährt sehr gut und da ich rückwärts im Auto mitfahre, habe ich einen fantastischen Ausblick auf den Transporter. Ab und zu sehe ich Hjerkinns Mauseohren im Fensterchen auftauchen, sich nach hinten wenden und dann wieder zum Heu... Fressack ;-)

8:35 h Ankunft am Dorint-Hotel in Rederscheid (bei Aegidienberg)

Es sind schon etliche Transporter da, einige Paare kommen auch angeritten... es wuselt ein bisschen umeinander, aber alles ist gut überschaubar. Die Pferde lassen wir noch eine Viertelstunde im Hänger, wir genehmigen uns einen Kaffee und ein Brötchen in der Reithalle, die gleichzeitig Meldestelle ist. Danny hat uns schon alle gemeldet und die Essensmarken geholt. Kurze Zeit später treffen auch Steffi und Christoph ein, also hat sich Melano gut verladen lassen.

8:50 h So, nun aber! Pferde ausladen, satteln, startklar...

Bin gespannt, wie Hjerkinn sich benimmt, wenn er all die vielen Pferde sieht! Er steigt aus dem Hänger... schaut sich um... große Augen, Propellerohren... huch, was'n hier los? Ah, da ist ja Rhapsodie... alles klar, ...Frauchen, was liegt an? Nicht ein Hüpfer, nicht ein Ziehen oder Zerren oder so... Ich bin total begeistert und sage meinem Pony das natürlich auch ;-)

Satteln und Trensen geht schnell, gut dass ich das mit den Packtaschen noch zu Hause geübt habe... nur ein bisschen umpacken muss ich noch, denn die Abschwitzdecke nehme ich nun doch am Pferd mit, dafür fliegt meine Flasche Wasser raus...

9:15 h Treffen auf dem Sammelplatz... Hjerkinn schaut und schaut und schaut... 80 Pferde und mitten unter ihnen entdeckt er zu seiner hellen Freude: Fjordis! Jede Menge Fjordis! Leider ist niemand dabei, den ich so direkt kenne (Hjerkinn stammt ja von hier, naja, jedenfalls aus der Nähe und es ist wahrscheinlich, dass der eine oder andere von "meinem" Verein auch mitreitet) aber zu einem kleinen Tratsch ist leider zu wenig Gelegenheit.

Vorstellung der Rittführer, "Einteilung" der Gruppen, sprich: jeder gesellt sich beliebig zu einem Rittführer, es wird nicht leistungsmäßig sortiert, sondern mehr so, wer kennt wen... ich kenne außer unseren Stallleuten niemanden und möchte nur nicht in der "Tempogruppe" mitgehen, denn für lange Galoppstrecken etc. hat Hjerkinn garantiert nicht genug Kondition. So bleiben Steffi, Ute, Christoph und ich zusammen in einer Gruppe, gemeinsam mit einem Warmblutfuchs, zwei sehr kleinen Isis, zwei Haflingern und zwei weiteren Ponys, die ich rassemäßig nicht zuordnen kann, die aber reichlich temperamentvoll (oder einfach unerzogen?) sind. Der Rittführer hat einen Warmblutrappen Marke Heißdüse... er kann ihn schon beim "gemächlichen" Losreiten kaum in ein ruhiges Tempo bringen und unterwegs hat er immer wieder Schwierigkeiten mit ihm (Stillstehen? Das kannst du nicht ernst meinen!). Er hat ihn zwar mehr oder weniger unter Kontrolle, aber dieses Pferd möchte einfach nur rennen... dem Reiter des Fuchses geht es nicht wirklich anders, zumal dieses Pferd auch noch sehr dazu neigt, anderen kurzerhand per Hinterhuf seine Meinung mitzuteilen...

Die Gruppe ist in ihrer Zusammenstellung sehr uneinheitlich, so dass allein dadurch der Ritt nicht nur vergnüglich ist. Andere Schwierigkeiten kommen hinzu, die aber wohl zu einem solchen Ritt dazugehören.

9:30 h Abritt

Vor uns liegen also ca. 25 km Strecke, vorgegebene Reitzeit ungefähr 5 Stunden...schaumer mal... Hjerkinn möchte auch gerne gleich losflitzen... ist das alles aufregend, aber er lässt sich sehr gut regulieren und die Freude an meinem Pony steht mir wohl ins Gesicht geschrieben.

Erste Bedenken kommen mir, als wir Schotterpiste gehen müssen... hoffentlich bleibt das nicht lange so, denn Hjerkinn, wie auch Melano und Candy sind Barfüßler. Leider bleibt es überwiegend so, aber Hjerkinn marschiert tapfer mit und wir nutzen jeden Grasstreifen. Da, wo die Wege nicht mehr oder weniger grob geschottert sind, ist es extrem matschig und es ist streckenweise ein Rutschen und Schliddern, dass mir recht unbehaglich wird... vor allem, da es immer wieder sehr steil bergauf und bergab geht, was unsere Pferde ja nun gar nicht kennen.Ich sorge mich, ob dieser Ritt nicht vielleicht doch eine Überforderung für Hjerkinn sein könnte. Er ist schon nach einer halben Stunde schweißnass und nach einem extrem steilen Anstieg pumpt er wie ein Maikäfer... Ich bereue es, ihm das alles zuzumuten, aber ein Zurück gibt es in diesem Moment nicht.

Wir reiten fast ausschließlich Schritt, was die Pferde vor allem an den Bergaufstrecken sehr viel Kraft kostet. Nach ungefähr einer Stunde gibt eine Mitreiterin mit ihrem Haflinger auf, sie führt ihn zur nächsten Straße und lässt sich dort abholen. Die Gruppe fällt immer wieder sehr auseinander, der Rittführer muss sehr oft auf die Nachzügler warten, eine nach uns gestartete Gruppe hat uns bereits nach einer halben Stunde überholt, die nächste Gruppe holt uns kurz vor der Mittagsrast ein.

Bis zur Rast haben wir aber noch einige Abenteuer zu bestehen...

Nach endlos langem Schrittreiten gibt es dann endlich mal Gelegenheit zu einem flotten Trab, ist jedenfalls so gedacht... der Weg ist recht nass, es ragen jede Menge Äste und Zweige in diesen Weg, rechts steil bergab, links steil bergauf und reichlich Kurven... aber im Trab eigentlich gut zu reiten. Der Rittführer geht zunächst Trab, dann aber zum Galopp über und die ganze Meute donnert hinterher... da heißt es nur noch Kopf runter, Beine dicht am Pferd und nicht zu nah an den Abhang kommen ... der Rest ist Gottvertrauen ... es geht alles gut.

Trotz der recht guten Markierung des Weges findet unser Rittführer zwei mal nicht die richtige Abzweigung, einmal davon haben wir uns mühsam einen Hang hinuntergekämpft, den wir dann gleich wieder zurück müssen, das andere Mal waren es "nur" ein paar Meter mehr Splittweg... jeder Schritt auf diesem Untergrund tut mir für Pony leid.

Der Orkan "Jeanette" hat uns zusätzlich noch diverse kleine Extra-Abenteuer in Form von umgestürzten Bäumen in den Weg gelegt. Über Baumstauml;mme steigen ist ja normalerweise nichts Besonderes, aber wenn links der Abgrund gähnt und rechts eine Steilwand aufragt, dann entbehrt das nicht eines gewissen "Prickelfaktors" ;-) Alle Pferde haben das aber sehr gut bewältigt. Aber nicht nur Klettern war gefragt, auch ducken ;-) Ein Baum ist genau so gefallen, dass seine Krone exakt über dem Weg liegt... na, wir Kleinen können führenderweise zu Fuß gut dadurch, die Warmblüter ecken da schon ein bisschen mehr an.... Blessuren trägt aber keiner davon. Und wer sowas überstanden hat, für den ist das Durchreiten einer Wiese, über der 10 Windvögel aufgelassen sind, ja eh nur ein Klacks ;-) Hjerkinn schaut noch nicht mal hin.

13:15 h treffen wir endlich an der Rasthütte ein, alle fix und fertig, auf solch eine Anstrengung waren weder Ross noch Reiter vorbereitet! Wobei Christoph, der sehr viele Langstreckenritte macht, meint, dass Hjerkinn und Candy konditionsmäßig noch zu den Besten gehören. Der Warmblutfuchs hat kaum ein nasses Haar, alle anderen tropfen nahezu vor Schweiß. Rhapsodie hat sich am Sattelgurt aufgescheuert, der Tierarzt schaut sich das an, hat aber keinen Einwand gegen ein Fortsetzen des Rittes.

Leider ist keine Gelegenheit, um die Pferde grasen zu lassen, sie zupfen sich Blätter von den Büschen, Hjerkinn bekommt ein paar Möhren, einen Apfel und ein paar Kekse und natürlich Wasser, aber so richtig durstig scheint er nicht zu sein... Er macht keinen vollkommen erschöpften Eindruck, sondern genießt es, umsorgt und verwöhnt zu werden und schaut recht munter um sich. Die Hufkontrolle zeigt, dass die Hufe noch tadellos in Ordnung sind. Das habe ich absolut nicht erwartet. Melano versucht derweil die Böschung raufzusteigen, da es aber glitschig ist, findet er sich plötzlich auf seinen Karpalgelenken wieder und muss erst mal einen Moment überlegen, wie er denn wieder auf die Hufe kommt. Rhapsodie steht ein ganzes Stück weit weg und hat eine rege Unterhaltung mit einem sehr jungen Lusitanohengst, der mit doppelter Hengstkette von seiner Reiterin mühsam gehalten abseits steht... Pause ist das weder für ihn noch für die Frau...

14:30 h Es geht weiter... noch eineinviertel Stunden liegen vor uns.

Wieder Schotterwege, Hjerkinn tritt ein paar mal vorne rechts unklar, wir halten an, Hufkontrolle, aber ich kann keinen Stein oder eine andere Ursache entdecken. Dann geht er wieder gut, tickt noch mal, wieder nicht... als aber endlich, endlich die Schotterwege aufhören und wir über wirklich schöne Wiesenwege kommen, ist er wieder ok. Wir legen noch einen kleinen Galopp ein, zum Rennen haben die meisten Pferde aber schon keine Lust mehr (mit Ausnahme des Rappen, des Fuchses und der beiden Ponys). Hjerkinn trabt zwischendurch sogar ein Stückchen. Er ist wirklich geschafft. Die Isireiterinnen führen eh schon längere Zeit immer wieder mal, ebenso Christoph.

Der Rest des Weges ist wirklich wunderschön, wenn auch nicht erholsam für die Pferde.

16:00 h Wir treffen wieder an unserem Ausgangspunkt ein, einige Gruppen scheinen extrem schnell geritten zu sein, denn wir sehen schon mehrere Transporter wieder abfahren. Aska ist auch schon verladen, Hjerkinn und Rhaps müssen etwas warten, denn unser Fahrer ist noch nicht wieder zurück und die Pferde in einen nicht angekuppelten Hänger stellen, wollen wir auch nicht: So dürfen die beiden ein bisschen in der Stallgasse des Reitvereins ausruhen, während wir Zweibeiner bei einer Tasse Kaffee und einem Stückchen Kuchen von Herrn X über den Reiterpass der FN informiert werden, eine Teilnehmerplakette erhalten und vor allem natürlich den Ritt noch einmal durchdiskutieren.

Grade, als Hjerkinn zu einem freundlichen Kaltblüter erste freundschaftliche Bande geknüpft hat, kommt unser Fahrer, wir verladen problemlos (machen nur den Fehler, die Plane hinten am Transporter zu schließen) und fahren heimwärts.

Um 18:30 landen wir wohlbehalten dort, als erstes wechsle ich Hjerkinns Decke, denn die ist dermaßen nass, dass es fast tropft. Aufräumen, Box machen, füttern... ich beobachte Hjerkinn dabei, habe Sorge, dass er doch überanstrengt ist, aber er schaut recht munter aus der Box, frisst, säuft und bewegt sich ganz normal.

Erst dann fahre ich nach Hause... und kenne nur noch ein Ziel: ein heißes Bad mit einem guten Kräuterzusatz gegen Muskelkater! ;-)

Und was habe ich von diesem Ritt mitgenommen?

Das Wissen, dass
- das, was bei uns zu Hause "durchschnittlich gute" Kondition ist, im Mittelgebirge noch lange nicht reicht! (Auch wenn es für dieses Mal gut gegangen ist)
- mein Pony ein 100% Verlasspony ist
- ich lieber mit mir bekannten Leuten in übereintimmendem Tempo reite als entweder hinterherhecheln oder dauernd warten zu müssen
- Hjerkinn und ich bei Großveranstaltungen keine allzu schlechte Figur abgeben ;-)
- man weiße Molton-Dressurschabracken bei 40° mit Vollwaschmittel und Vorwäsche wieder blütenweiss bekommt, auch wenn sie vorher aussehen, als hätte man sie durch den Schlamm gezogen
- mein Pony im Verhältnis zu anderen Fjordis keineswegs besonders dick ist
- ich mir sehr überlegen werde, ob ich nächstes Jahr wieder an einem solchen Ritt teilnehmen werde... wenn überhaupt, dann nur, wenn ich sehr viel intensiver vorher trainieren kann...

Birgitt und Hjerkinn, bestes Pony der Welt