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Hjerkinn

Hjerkinn 3 Jahre

Das also ist Hjerkinn, geboren 1995, von Haarvard aus der Holly. Ein Fjordi, wie er im Buche steht. Aber fangen wir mal von vorne an.

Knutschangriff

Kennengelernt haben wir uns an einem Sonntag Mitte Juni 1998. Hjerkinn stand auf der Weide, grad mal drei Jahre alt und ungeritten, erst wenige Wochen zuvor kastriert. Auf der Nebenkoppel sein bester Freund Irwin, der, im Gegensatz zu Hjerkinn, gekört worden war. Hjerkinn kam sofort auf uns zu, schnuffelte an uns herum, und dann machte er etwas, was jedwedes kritische Hinschauen, ob er irgendwelche offentsichtlichen Mängel hatte, zunichte machte. Er legte sein Kinn auf meine Schulter und schnoberte mit seiner Oberlippe an meinem Ohrläppchen. Das hatte Lümmel auch immer gemacht. Ich testete zwar noch pro forma, ob der Kleine sich anstandslos die Hufe heben und führen ließ, aber im Grunde meines Herzens war es entschieden. Und, wieder eine Parallele zu Lümmel: Hubert hatte grad keinen Kaufvertrag da und ich kaufte Hjerkinn per Handschlag.

Anfang Juli 1998: Hjerkinn kommt mit Irwin gemeinsam in die Schule.

der erste Ritt

Nach drei Wochen war es so dann so weit, dass ich Hjerkinn das erste Mal reiten sollte. Mit Herzklopfen bis unter die Haarspitzen stieg ich auf, aber Hjerkinn nahm das alles so easy, dass ich keinen Moment irgendwelche Bedenken hatte. Auch einen ersten Härtetest für unsere Nerven bestanden wir mit Bravour. Plötzlich sprang nämlich ein Rottweiler auf den Reitplatz und stürzte sich laut bellend auf uns. Natürlich schoss Hjerkinn erst mal davon und buckelte auch ordentlich, aber erstens blieb ich oben und zweitens ließ er sich sehr schnell wieder beruhigen. Braves Pony! :-) Ein Foto gibt es davon leider nicht, weil meiner Feundin vor Schreck fast der Fotoapparat aus der Hand gefallen ist ;-)

Hjerkinn zu Hause

9.8.1998: Wir holen Hjerkinn nach Hause. Es ist glühheiß an dem Tag, und meine Freundin Melanie und ich fahren früh los. Das Verladen geht schneller als alle gedacht haben, denn Hjerkinn ist noch vor Conny, seiner Lehrerin, im Hänger. Hab nicht schlecht gestaunt! :-) Auch während der 1,5 stündigen Fahrt, ist er absolut ruhig und knabbert zufrieden an seinem Heu und das auf einer mehr als kurvenreichen Strecke, teilweise gespickt mit Schlaglöchern. Aber Melanie fährt routiniert und fragt gelegentlich nur, ob Hjerkinn überhaupt noch im Hänger ist, so ruhig, wie er sich verhält :-) Zu Hause angekommen steigt er mit einer Gelassenheit aus, als wäre das sein täglich Brot. Er schaut sich interessiert, aber keineswegs aufgeregt um und steuert dann das nächste Grasbüschel an... Fjordi eben ;-)

Spiel und Spaß

Den Winter 98/99 hat er Pause, darf noch ein bisschen Fohlen sein. Wir spielen im Roundpen, ein paar Führübungen nach Tellington... ansonsten darf er einfach noch wachsen ;-) Erst im März 99 fangen wir wieder mit der Arbeit an, haben eine gute Reitlehrerin und Ausbilderin gefunden, die zwar erst entsetzt sagte: Ein Ponyyyyyyyy???? aber deren Herz der Charmeur Hjerkinn auch rasch gewann. Von nunan bestimmten Takt und Losgelassenheit unsere Ritte, wenn nicht Hjerkinn vor Übermut gelegentlich sein eigenes Programm machte ;-)

Power pur

Die schönste Zeit ist natürlich der Sommer mit den Pferden. Den ganzen Tag auf der Weide, sind sie abends richtig schön entspannt, und alles geht ein bisschen leichter. Der nächste Winter war schlimm für uns, Hjerkinn hatte an Kraft und Dominanz gewonnen und ließ sich kaum noch in den Winterauslauf führen. Er zankte mit seinen Kumpels, und obwohl wir mittlerweile eine kleine Reithalle hatten, reichte es einfach nicht an Bewegung und Auslastung. Schweren Herzens entschlossen wir uns zu einem Umzug und fanden mit sehr viel Glück nicht weit entfernt einen Stall, der sommers wie winters Weidehaltung hat, die Pferde sind auch im Winter mindestens 10 Stunden draußen, immer im Herdenverband.

Hey Mädels 17.3.2001 Hjerkinn zieht um. Wir werden im neuen Stall sehr freundlich und ziemlich neugierig ;-) begrüßt, jedenfalls wir Menschen. Hjerkinn wird von seinen neuen Herdenmitgliedern erst mal ordentlich gejagt. Lediglich die Leitstute hat eine größere Auseinandersetzung nicht nötig. Sie dreht einmal den Kopf mit angelegten Ohren und Hjerkinn hat kapiert: Das ist die Chefin. Bei den anderen hatte er erst mal einen schweren Stand, aber nicht allzu lange.

Hjerkinn und Mary Er hat die Mädels ziemlich schnell becirct und mittlerweile kleben sie an ihm wie die Kletten.Da kann er natürlich gut den Chef rauskehren ;-) I am the boss
Vielfraß

August 2001
In diesem Sommer habe ich das erste mal das Gefühl, meinem Pony wirklich gerecht zu werden. Er ist den lieben langen Tag draußen, wir arbeiten abends ein bisschen auf dem Platz und am Wochenende geht's raus in die umliegenden Felder oder in den Wald. Leider alles nur über einige Straßen zu erreichen, aber so wird Hjerkinn gleich verkehrssicher.

Tja, und zum Kinder- und Lehrpony taugt unser Kleiner auch bestens.

Kinderpony Chris auf Hjerkinn
Spannenlanger Hansel, nudeldickes Fjord

Juni 2002
Hjerkinn mausert sich immer mehr zum zuverlässigen Partner für die Kinder. Melanie kann nahezu selbständig alles mit ihm machen, Christopher trägt er brav Runde um Runde auf dem Reitplatz... allerdings wohl nicht mehr lange, wenn Christopher so weiterwächst ;-)

September 2003
Der Pferdezahnarzt ist zu Besuch, genaugenommen sind es zwei. In der Vorankündigung hieß es: "alle Pferde werden grundsätzlich sediert". Gefällt mir erst mal gar nicht, denn Hjerkinn hatte schon Zahnbehandlungen incl. der Entferung von Wolfszähnen und dem Öffnen des Zahnfleisches über den Hengstzähnen ganz ohne Sedierung problemlos über sich ergehen lassen.
Ich frage die beiden also nach ihrer Ausbildung, beide sind med.vet. und begründen die generelle Sedierung ihrer Patienten damit, dass die Behandlung einfach für alle Beteiligten entspannter verläuft.
Sag mal aaaa schmirgel, raspel...

Erst mal wird dem Pony ins Maul geschaut, Diagnose: sieht nicht nach einem größeren Eingriff aus, aber es muss geraspelt werden. Also, Spritze, etwas abwarten , Maulsperre rein und los geht's. Erst die Backenzähne aufeinander ausrichten, die Schneidezähne sind auch zu lang, so kommen die Backenzähne nicht mehr beim Kauen ordungsgemäß aufeinander. Also werden auch die Schneidezähne auch noch gekürzt. Hatten wir bisher noch nie, kommt mir sehr ungewöhnlich vor. Bin sehr gespannt, ob ich dann beim Reiten eine Veränderung feststellen werde.
Alles in allem beschäftigen sich die beiden ca. 45 Minuten mit Hjerkinns Zähnen. Alles in Ruhe, ohne Hektik, jeder Handgriff sitzt und man merkt, dass die beiden nicht erst seit gestern zusammen arbeiten. Dann ist es geschafft (Pony ebenso) und er darf zurück in seine Box.

Im November 2003 tritt Rebekka in Hjerkinns Leben. Sie ist seine neue Reitbeteiligung und bringt ein bisschen mehr Pepp in sienen sonst recht gleichmäßen Alltag. Rebekka hat immer neue Ideen und Pony ist begeistert.
In diesem Winter gibt es sogar mal ein kleines bisschen Schnee.
Im Frühjahr 2004 nehmen wir ein neues Projekt in Angriff. Rebekka soll mit Hjerkinn auf's Turnier und ich möchte eine Gelassenheitsprüfung mit ihm absolvieren. Das Turnier in Mettmann bei Nussbaums bietet sich dazu an.
Also wird trainiert, was das Zeug hät.
Am 10.Juni 2004 war es dann so weit. Wie das so gegangen ist, könnt ihr hier nachlesen!
Ende des Jahres nahm Rebekka eine andere Reitbeteiligung an und Hjerkinn und ich "wurschtelten" wieder mehr oder weniger alleine vor uns hin.
Das Jahr 2005 war ohne besondere Höhepunkte. Außer vielelicht, dass ich auf einem Ausritt mit Hjerkinn ein etwas unangenehmes Erlebnis hatte und von da an den Hof nicht mehr mit ihm verlassen habe und selbst auf dem Reitplatz Angstattacken auf meinem eigenen Pony bekam. Es hat ziemlich lange gedauert, bis mich wieder im Griff hatte und wir arbeiten immer noch daran. Aber, wir machen sehr gute Fortschritte.
Im Herbst kam dann Tina zu uns. Sie ist ein echter Glücksgriff, sehr lieb mit Hjerkinn, aber auch konsequent genug, ihm nichts durchgehen zu lassen, dem kleinen Schlitzohr.
Durch Leos Heike lernen wir die Dualaktivierung kennen und die macht uns Riesenspaß! Sogar bei bitterer Kälte und betonhart gefrorenem Boden lassen wir uns den Spaß nicht nehmen.
2006 bringt allerdings eine große Veränderung! Hjerkinn zieht um! Die Eigenleistung im alten Stall ist für mich kaum noch leistbar, die Finanzierung wackelt ebenfalls. Durch einen mehr als glücklichen Zufall bekommt Hjerkinn einen Platz auf einem kleinen Hof direkt am Stadtwald.
Wir haben nun alle Möglichkeiten. Er ist nach wie vor den ganzen Tag draußen, hat eine luftige Außenbox und ist rasch in eine nette kleine Wallachherde integriert.
Die Winter brauchen uns auch nicht mehr schocken, denn wir können im Nachbarstall die Reithalle, Longierhalle und die Außenplätze mit nutzen. Und das Highlight sind natürlich die schönen Reitwege im Hildener Stadtwald, direkt vor unserer Nase!